//Mich interessiert Politikwissenschaft als Studium. Aber was lernt mensch da eigentlich?

Politikwissenschaft ist eine Sozialwissenschaft, also eine Wissenschaft mit dem Erkenntnisinteresse, Erklärungen für politische und gesellschaftliche Phänomene zu finden.

Als Abgrenzung zu anderen Sozialwissenschaften wie Soziologie, Kultur- und Sozialanthropologie u.a., schränkt die Politikwissenschaft den Gegenstand ihrer Untersuchung auf die „Politik“ ein. Dabei ist allerdings schon die erste Frage, was Politik überhaupt ist und welche gesellschaftlichen Phänomene als politisch betrachtet werden können, schwer zu beantworten.

Neben einem „klassischen“ Politikbegriff, der sich auf Phänomene wie den Staat, Staatsformen, politische Parteien, Gesetze und politische Inhalte und Entscheidungsfindungsprozesse in und um politische Organisationen beschränkt, ist es auch möglich, einen „erweiterten“ Politikbegriff zu verwenden. Dadurch wird der Blick über formelle Institutionen und Parteien hinaus möglich und es können im Allgemeinen Phänomene untersucht werden, die mit Herrschafts- und Machtbeziehungen, Ein- und Ausschlussmechanismen zu tun haben.

Schon die Definition von „Politik“ wirkt sich auf Fragestellung, Methodenwahl und Erklärungsmuster aus, die wiederum „Wahrheit“ postulieren und das Bewusstsein prägen. Mensch denke dabei beispielsweise an Meinungsumfragen, die selbst – obwohl vorgeblich nur beschreibend – doch auch eine Auswirkung auf das tatsächliche Ergebnis einer Wahl haben können. Politikwissenschaft ist  nicht nur eine Wissenschaft über Politik. Jede Wissenschaft hat einen politischen Charakter. Dieser „erweiterte“ Politikbegriff erklärt auch, warum Politikwissenschaft schon in ihrer Grundkonzeption stark auf interdisziplinäre Forschung ausgerichtet und diese für die Politikwissenschaft unverzichtbar ist.

Politikwissenschaft ist allerdings auch eine Wissenschaft und keine Ausbildung zur Politiker_in. Das heißt, ihr Forschungsgegenstand, die Politik, wird nach einer bestimmten Vorgehensweise, also mit Methode, untersucht. Nur dank einer gewissen Methodologie kann Politikwissenschaft Aussagen treffen, die nachvollziebar sind – das ist eben der wissenschaftliche Charakter.

Kurz: Im Politikwissenschaftsstudium wird nicht einfach in Köpfe eingehämmert, was Politik ist, sondern wie sich politische Phänomene wissenschaftlich beschreiben, analysieren und beeinflussen lassen. Dazu ist es unbedingt nötig, kritisches Denken zu fördern und selbst einfache und banale Tatsachen nicht unhinterfragt stehen zu lassen.  Z.B. geht es auch darum, herkömmliche Sprachmuster zu hinterfragen und aufzubrechen. So formulieren wir aus den genannten Gründen in dieser Broschüre mit „_innen“ und „mensch“ statt „man“.  Diese Fähigkeit, die im Laufe eines erfolgreichen Politikwissenschaftsstudiums gefördert werden sollte, ist womöglich auch die zentrale Qualifikation, die Student_innen dieses Fachs auszeichnet.

Eine der wichtigen Anliegen der Studienvertretung ist es, die Geschlechterforschung, die in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Forschungsgebiete im Bereich der Politikwissenschaft wurde, weiter zu fördern und eine eigene Professur für Feministische Theorien am Institut für Politikwissenschaft einzurichten. Dieses Forschungsgebiet zeigt paradigmatisch, wie moderne Politikwissenschaft Phänomene der Ausgrenzung, Diskriminierung und Fragen von Machtverhältnissen als genuin politische behandelt – so ist es mit einem erweiterten Politikbegriff beispielsweise möglich, Gewalt in der Familie auch als ein politisches und daher gesellschaftliches Problem zu untersuchen. Auch Fragen nach Diskriminierung aufgrund von Klassenzugehörigkeit, Ethnie, Herkunft und sexueller Orientierung werden immer wieder aufgegriffen und miteinander zu komplexen Fragesträngen verwoben, zu deren Analyse politikwissenschaftliche Methoden angewandt werden können. Mit diesem Politikverständnis lässt sich u.a. verstehen, warum ökonomische Entscheidungen keine „Sachzwänge“ darstellen, sondern auch politische Entscheidungen, die untrennbar mit Machtverhältnissen verbunden sind.

Durch Interdisziplinarität und empirische Forschung soll aber auch eine möglichst große Annäherung zwischen Theorie und Praxis ermöglicht werden. Den Kern der Ausbildung zum_zur Politikwissenschaftler_in bildet die Tatsache, dass erlernte Methoden und Theorien im späteren Beruf
uf entsprechende Probleme angewendet werden können. In diesem Sinne wird in letzter Zeit vermehrt auf Kontakte zu Expert_innen verschiedenster Bereiche im Rahmen des Studiums Wert gelegt.
Neben den klassischen Bereichen der Verwaltung, Parteien und Parlamente, der Internationalen Organisationen und der Medien werden zusätzlich Bereiche bzw. potenzielle Berufsfelder wie PR- und Pressearbeit in der Privatwirtschaft, im Sozial- und Kulturbereich und NGOs im Rahmen des Studiums abgedeckt. In eben genannten Bereichen liegen später auch die hauptsächlichen Berufsfelder von Absolvent_innen der Politikwissenschaft.

Für die Studienrichtung Politikwissenschaft gibt es zwei Institute, die Lehrveranstaltungen anbieten: das Institut für Politikwissenschaft – IPW (im Neuen Institutsgebäude [NIG], 2. Stock) und das Institut für Staatswissenschaft in der Hohenstaufengasse 9. An den Instituten wird hauptsächlich Forschung betrieben.

Sonst ist es auch hilfreich, sich einfach mal den Bachelor– oder Masterleitfaden der STV Politikwissenschft durchzulesen 🙂

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