BA Alt oder BA Neu, das ist hier die Frage.

Im Wintersemester 2011/2012 ist nach einem über zweijährigen Hick-Hack zwischen Studierenden und Lehrenden der Politikwissenschaft auf der einen, sowie der universitären Bürokratie auf der anderen Seite, eine überarbeitete Fassung des Bachelor-Studiums Politikwissenschaft in Kraft getreten.

Nun sind manche von euch vielleicht schon seit einem oder mehreren Semestern inskribiert und überlegen, in den neuen Studienplan zu wechseln, da dieser im weiteren Verlauf nicht nur andere Modulzusammensetzungen, sondern auch andere Lehrveranstaltungen aufweist.

Als mögliche Entscheidungshilfe soll euch dieser kurze Text die Unterschiede der beiden Curricula erläutern. Für konkrete Fragen wendet euch bitte wie immer per Mail an uns (stv.powi@oeh.univie.ac.at) oder kommt während der Beratungszeiten vorbei, innerhalb derer wir auch telefonisch erreichbar sind! Achtung: die alte Fassung des Bachelor Studienplans läuft mit 30.11.2014 aus. Wer also spätestens im Sommersemester 2011 oder davor den Bachelor inskribiert hat und sich nicht sicher ist, ob er oder sie bis dahin alle notwendigen Leistungen erbringen kann, sollte sich auf alle Fälle die in Punkt 8 dieses Textes beschriebenen Übergangsbestimmungen durchlesen und einen rechtzeitigen Umstieg überlegen.

1. Die Studieneingangs- und Orientierungsphase

Die gravierendste Veränderung liegt in der Novelle des Universitätsgesetzes durch die SPÖVP-Regierung begründet. Nun war die „Studieneingangs- und Orientierungsphase“ trotz ihres wohlklingenden Namens immer schon ein strukturell verankerter Selektionsmechanismus, der darauf abzielt, Student_innen durch einen Prüfungstrichter laufen zu lassen. Ziel ist es, durch eine geringere Studierendenzahl mit den geringen Kapazitäten und finanziellen Mitteln auszukommen und andererseits schon von vorne herein nur einer kleinen Elite das Studieren zu ermöglichen.

Die neue Studieneingangsphase umfasst 15 ECTS-Punkte und besteht aus 3 Lehrveranstaltungen und 2 (!) Prüfungen: das Propädeutikum (vorher: Orientierungsveranstaltung), die Grundlagen sozialwissenschaftlicher Methodologie und die Fachspezifische Einführung. Zu diesen LVs gibt es zwei Prüfungen, wobei bei der Prüfung zur Fachspezifischen Einführung 4-5 Fragen vom Propädeutikum abgefragt werden. Für diese Prüfungen ist vorgesehen, dass die Klausuren nur 1x (!) wiederholt werden dürfen und somit statt vier nur mehr zwei Prüfungsantritte vorgesehen sind. Nach massivem Protest und Druck vonseiten der Studierenden, der Studienvertretungen und der ÖH, welche unter anderem zumindest einen dritten Prüfungsantritt forderten, wurde ab Sommersemester 2012 ein eingeschränkter dritter Prüfungsantritt gewährt. Studierende haben nun das Recht auf einen dritten Prüfungsantritt, wenn sie bereits eine der beiden STEOP-Prüfungen (bspw. Einführung) beim spätestens zweiten Antritt positiv absolviert haben. Dann bekommen sie bei der anderen Prüfung (bspw. Methodologie) noch einen dritten Antritt. Wenn du auf die erste Prüfung also ein Nicht Genügend hat, kann diese nur einmal wiederholen werden. Solltest du zweimal negativ auf die STEOP-Vorlesung sein, zu der du zuerst antrittst, bist du für den BA Politikwissenschaft in Wien gesperrt. Du musst also entweder ein anderes Studium wählen oder Politikwissenschaft an einer anderen Universität belegen. Das positive Absolvieren ist außerdem Voraussetzung, um bei allen weiteren LVs zu den Prüfungen antreten zu können. Hierbei sind die Prüfungstermine so angelegt, dass sie Mitte Dezember und Mitte Jänner gemacht werden können, um ggf. noch andere Prüfungen (z.B. aus BAK 2) am ersten oder zweiten Termin zu schreiben und so – wenn nötig – genügend ECTS beisammen zu haben. Ist also alles eine hochkomplexe Angelegenheit.

Je nach dem, was ihr bisher schon in der STEOP I und II im alten Studienplan gemacht habt, kann diese neue Regelung für euch relevant sein oder nicht. Habt ihr bspw. die STEOP I fertig, fehlt euch für die neue STEOP die Orientierungsveranstaltung. Falls du die STEOP noch nicht abgeschlossen hast empfehlen wir jedenfalls, die STEOP noch im alten Studienplan zu absolvieren um von den neuen Regelungen nicht betroffen zu sein und erst danach in den neuen Studienplan umzusteigen.

2. Sozialwissenschaftliche und Interdisziplinäre Grundlagen – BAK 2

Wenn die STEOP fertig ist, geht es in den Punkt BAK 2, der die sozialwissenschaftlichen Denkweisen, die aktuellen Debatten und die Historischen Grundlagen beinhaltet. Hier gibt es zwei neue Lehrveranstaltungen, die dem Studium etwas an Interdisziplinarität einhauchen sollen: die VO Politik und Ökonomie und die VO Politik und Recht, die es zuletzt im Diplomstudium noch gab. Allerdings werden beide VOs nur im Sommersemester angeboten. Historische Grundlagen, Politik und Recht, sowie Politik und Ökonomie sind allerdings im neuen Studienplan zuzüglich der Lehrveranstaltungen die im alten Studienplan Teil der STEOP waren Voraussetzung für die Spezialisierungen.

Dementsprechend ist es ratsam, sofern du im Studienjahr 2012/2013 Spezialisierungs-Lehrveranstaltungen machen willst, im alten Studienplan zu verbleiben; im Sommersemester Politik und Recht, sowie Politik und Ökonomie zu absolvieren und dich erst danach dem neuen Bachelor-Studienplan zu unterstellen.

3. Methodenvorlesungen verpflichtend

Die bereits in den letzten Jahren angebotenen, allerdings nicht im Studienplan vorgesehenen, Vorlesungen zu Quantitativen und Qualitativen Methoden sind im neuen Bachelor-Studienplan verpflichtend zu absolvieren. Im Bachelor gilt: im Wintersemester werden nur die Quantitativen Methoden angeboten, im Sommersemester nur die Qualitativen Methoden – das gilt sowohl für den alten wie den neuen BA-Plan.

4. Zusätzliche Spezialisierungsvorlesungen

Im alten BA-Plan waren in den Spezialisierungsmodulen „nur“ Seminare vorgesehen, von denen 4 ausgesucht (und ggf. mit Praxismodulen getauscht) werden mussten. Im neuen Plan müssen in BAK 9 bis BAK 16 3 Schwerpunkte gewählt werden, wobei diese aus je einer Vorlesung und einem Seminar bestehen und daher tiefer in die Materie eindringen sollen.

Außerdem muss im neuen Studienplan im Rahmen der Spezialisierungen keine kleine Bachelor-Arbeit verfasst werden, diese entfällt vollständig.

5. frei zusammenstellbares Vertiefungsmodul

Das Alternativ Pflichtmodul Vertiefung wird neu hinzugefügt und bildet sozusagen einen Wahlbereich innerhalb des PoWi-Studienplans. In diesem können 15 ECTS aus BA 9-BA 16 frei gewählt werden bzw. das Modul Politikwissenschaft in der Praxis absolviert werden. Dieses besteht aus einem Praktikum, der UE Politikwissenschaft in der Praxis und einer beliebigen Spezialisierungs-VO.

Falls du kein Praktikum machst besteht hier die Möglichkeit auf dem Weg der Anrechnung Lehrveranstaltungen aus anderen Studienrichtungen (insb. auch aus einem Zweitstudium) anerkannt zu bekommen, sofern die Inhalte der Lehrveranstaltung einem der im Studienplan vorgesehenen Spezialisierungsmodule zuordenbar sind.

6. Entfall der kleinen BA-Arbeit und Voraussetzungen für das BA-Seminar

Wie bereits erwähnt wird die kleine BA-Arbeit komplett gestrichen. Dementsprechend ist die benotete kleine BA-Arbeit nicht mehr Voraussetzung für die Anmeldung zum Bachelor-Seminar. Im neuen Studienplan musst du stattdessen alle Module bis inklusive BAK8 (STEOP, sozialwissenschaftliche und interdisziplinäre Grundlagen, Einführung in das Wissenschaftliche Arbeiten, Methoden und Kernfächer) sowie zwei der drei Spezialisierungsmodule aus BAK9 – BAK 16 absolviert haben.

7. Erweiterungscurricula: 30 statt 60 ECTS

Statt wie bisher 60 ECTS zu wählen, wurde ab WiSe 2011/12 der EC-Bereich halbiert. Insgesamt müssen 30 ECTS Erweiterungscurricula absolviert werden. Das heißt du kannst entweder ein vorgefertigtes EC mit 30 ECTS absolvieren, zwei vorgefertigte ECs zu 15 ECTS oder 15 ECTS-Alternative Erweiterungen (im Rahmen dessen du komplett frei einzelne Lehrveranstaltungen absolvieren kannst) und ein vorgefertigtes Modul mit 15 ECTS. Solltest du im alten Studienplan bereits mehr als 30 ECTS an ECs gemacht haben, ist es wohl in den meisten Fällen sinnvoller im alten Studienplan zu bleiben, da du sonst alles was die 30 ECTS überschreitet nicht mehr für den BA verwenden kannst.

Wie ihr seht, birgt der neue Studienplan Vor- und Nachteile, je daran gemessen, wie weit ihr im alten Plan schon im Studium seid. Neben durchaus spannenden neuen LV beinhaltet der „BA neu“ zweifelsohne Selektionsmuster und Voraussetzungsketten, die die Gestaltung des eigenen Studiums verbürokratisieren und erschweren.

8. Alter BA-Studienplan läuft 2014 aus

Studierende, welche sich in der alten Fassung des Studienplans befinden, haben bis zum 30. November 2014 Zeit, ihr Studium abzuschließen. Dies bedeutet, dass alle Lehrveranstaltungen, die für den Abschluss notwendig sind, spätestens im SoSe 2014 besucht werden müssen. Solltest du bis dahin dein Studium nicht abgeschlossen haben, wirst du automatisch umgestellt. Wenn du allerdings bereits mehr als 30 ECTS an Erweiterungscurricula gemacht hast, würdest du die darüberhinausgehenden ECTS-Punkte in der Regel nicht für den BA-Neu verwenden können.

Dementsprechend: hast du mehr als 30 ECTS an ECs gemacht, versuch unbedingt, das Bachelorstudium bis 30.11.2014 abzuschließen! Hast du weniger als 30 ECTS an ECs und denkst es könnte sich bis 30.11.2014 nicht ausgehen oder knapp werden, steig lieber um!

Advertisements