Anrechnungen von Prüfungsleistungen von nicht-österreichischen Unis

Vor etwa zwei Wochen haben wir die Information bekommen, dass künftig Anerkennungen von Prüfungsleistungen aus dem „Ausland“ nur noch dann erfolgen können, wenn zuvor eine Genehmigung eingeholt wurde und wenn nachgewiesen werden kann, dass der Prüfungsinhalt am IPW nicht gelehrt wird.

Wir haben nun Informationen eingeholt und eine Mail mit unserer Argumentation, warum das nicht zulässig ist, an die SPL und den Vize-SPL weitergeleitet. Das Referat für Bildungspolitik an der ÖH Uni Wien hat uns ebenso unterstützt und thematisiert diese Frage auf Ebene der Studienpräses.

Vorerst haben wir noch keine Rückmeldung zu unserer Mail erhalten, aber damit ihr dennoch wisst, wie unsere Sicht der Dinge ist, hier unser Mailtext:

„Wir haben bezüglich der Mitteilung von Seiten der Studienpräses zu Anerkennungen von Prüfungen aus dem Ausland Informationen eingeholt und sowohl das Manz-Kommentar des Juristen Heinz Mayer (Dekan der Juridischen Fakultät) zum Universitätsgesetz 2002 (siehe Quelle ganz unten) sowie des Referats für Bildungspolitik der ÖH Uni Wien herangezogen. Dabei sind wir zu folgenden Schlüssen gekommen, die wir gerne darlegen möchten:

§63 Absatz 8 regelt die mehrfache Zulassung für das gleiche Studium, allerdings ist das für Studien an Universitäten in Österreich gedacht. (8) schließt die Doppelzulassung zum gleichen Studium „in Österreich“ aus, (9) regelt die Bedingungen unter denen das gleiche Fach an mehreren Unis mitbelegt werden darf – hier ist nicht explizit genannt, welche Unis das betrifft, laut Mayer-Kommentar ist es jedoch sinnzusammenhängend mit (8) zu lesen, was bedeutet, dass das vor allem Hochschulen in Österreich betrifft. Damit ist ganz klar nicht ausgeschlossen, dass zum selben Studium wie in Österreich im Ausland ebenfalls eine Zulassung (z.B. auch für eine Summer School, bei der es eine temporäre Immatrikulation gibt, um benotet werden zu können) bestehen darf, und die Leistungen von dieser Universität in Österreich anzuerkennen sind, nämlich nach § 78 (1).

Heinz Mayer stellt für §63 (8) klar:

Nach Abs 8 ist die gleichzeitige Zulassung für dasselbe Studium an mehr als einer Universität in Österreich unzulässig Mit dieser Regelung sollte offenbar ein “Prüfungstourismus” bzw das parallele Absolvieren desselben Studiums verhindert werden. Diese Gefahr wurde bei der gleichzeitigen Zulassung an einer ausländischen Universität nicht gesehen: die gleichzeitige Zulassung an einer inländischen und ausländischen Universtität für dasselbe Studium ist zulässig. (Mayer 2010: 277)

Bei§63 (9) geht es laut Mayer darum, dass es im Grunde kein restriktiver sondern ein ermöglichender (!) Paragraph ist, weil er im Zusammenhang mit (8) gelesen werden muss und regelt, wie Prüfungen an einer anderen als der Zulassung (in Österreich, da sich (8) auf Österreich bezieht) abgelegt (und in weiterer Folge mittels §78 anerkannt) werden können, auch wenn für die Uni (z.B. Salzburg) keine Zulassung besteht (weil nach (8) eine Doppelzulassung ausgeschlossen wird).

Zitat Mayer:

Im Zusammenhang mti der Bestimmung des Abs 8 ist Abs 9 zu sehen. In dieser Vorschrift wird angeordnet, unter welchen Voraussetzungen Prüfungen an einer anderen Universität als der der Zulassung abgelegt werden dürfen. (…) Nicht geregelt wird das Ablegen von Prüfungen an anderen Universitäten, an denen der Studierende zu einem Studium zugelassen ist. (Mayer 2012: 278)

Der letzte Satz im Zitat kann also in Bezug auf Summer Schools im Ausland bzw. generell Universitäten im Ausland gelesen werden, für die eine Zulassung (nach (8) ja möglich) aufrecht ist. Das heißt, es kann kein Einfordern einer Genehmigung im Vorfeld der Ablegung einer Prüfung erfolgen, zumindest nicht auf Basis der Absätze, auf die sich die Studienpräses beruft.

Mayer verdeutlicht das am Ende seiner Erläuterungen:

Aus dem Zusammenhang mit §78 Abs 1 UG ist abzuleiten, dass Abs 9 lediglich die Möglichkeit der Ablegung von Prüfungen ohne Zulassung an dieser Universtität, dass damit jedoch noch keine Anerkennung der Prüfung für ein bestimmtes Studium verbunden ist; eine solche hat nach den Regelungen des §78 UG zu erfolgen. (Mayer 2010: 278)

Und im §78 ist wiederum die inhaltiche Äquivalenz sowie die ECTS-Anzahl (bzw. eine Umrechnung der erbrachten Leistung in Absprache mit der Universität, in der eine Prüfung abgelegt wurde, die sich nicht im EWR-Raum befindet) ausschlaggebend.
Summa summarum: Studierende zu verpflichten, sich eine Genehmigung zu holen, um damit Anträge für Anrechnungen aus dem Ausland zu holen, kann mit diesen beiden Paragraphen nicht bestimmt werden und ist nicht zulässig.
Zweifellos ist es empfehlenswert, sich von Studierendenseite im Vorfeld zu erkundigen, aber das als Voraussetzung für ein Ablegen der Prüfung oder für die Anerkennung der Prüfungsleistung zu bestimmen, ist nicht zulässig.

Die Angelegenheit wird auch von Seiten der ÖH Uni Wien der Studienpräses mitgeteilt, da es sich offenbar um eine nicht stimmige Interpretation der beiden genannten Absätze handelt.

Zusätzlich möchten wir anmerken, dass die Anlassorientierung der Heranziehung der genannten Paragraphen problematisch ist. Ein “Zuviel” an vorgelegten Anträgen kann nicht Anlass sein, eine bestehende (oder in diesem Fall auch nicht bestehende) Regelung restriktiver auszulegen als bisher, vor allem, wenn es nur eine kleine Studierendengruppe betrifft, nämlich Studierende aus Drittstaaten. Das Einbringen von Anträgen ist Recht von Studierenden, unabhängig der Herkunft. Ob diese nun genehmigt werden oder nicht, muss individuell ermessen werden – dass dies bei Leistungen, die im Aulsand erbracht wurden, mühsamer sein kann, da Äquivalenzen zu prüfen sind bzw. bei Unis in “Drittstaaten” (wo nicht mit ECTS gerechnet wird) genauer recherchiert werden muss, was eine Leistung umfasst, ist klar, liegt allerdings im Aufgabenbereich der zuständigen Anrechnungsinstitution, die es am Institut auch gibt. Die Bringschuld von Studierenden ist mit dem Antrag, der Leistungsbescheinigung und der Vorlage einer Übersetzung in deutscher oder englischer Sprache beglichen.

Des Weiteren würden wir in Fällen wie diesen gerne auch das entsprechende Mitteilungsblatt mitgeschickt bekommen, das die formale Bestätigung solcher Beschlüsse darstellt.

Mit der Bitte um Kenntnisnahme und Abänderung der Information auf [ http://spl.univie.ac.at/politikwissenschaft/studium/lv-anrechnung/anerkennung-von-im-ausland-erworbener-zeugnisse ]http://spl.univie.ac.at/politikwissenschaft/studium/lv-anrechnung/anerkennung-von-im-ausland-erworbener-zeugnisse/

Mit freundlichen Grüßen,
die Studienvertretung Politikwissenschaft

Quelle: Mayer, Heinz (2010): Kommentar zum Universitätsgesetz 2002. Mit Art 81 c B-VG und Art 17, 17 a StGG, Durchführungsverordnungen und Nebengesetzen. Manz Verlag, Wien.
Da wir wissen, dass die ganze Angelegenheit verunsichernd ist und Informationsmangel auch Gerüchte nährt, möchten wir hier – solange wir auf die fixe Antwort der Universität Wien warten – darlegen, was definitiv nicht passieren wird:

– es werden nicht schon erfolgte Anrechnungen rückgängig gemacht

– es können weiterhin Lehrveranstaltungen, die im Ausland absolviert wurden und die in ihrem Inhalt und im ECTS-Ausmaß äquivalent sind, angerechnet werden, lediglich die formalen Wege dorthin werden gerade ausverhandelt

Sobald wir eine Nachricht erhalten, werden wir die Infos hier, auf Facebook und per Mail an euch sowie an Mentor_innen weitergeben, damit sie euch alle rasch erreichen!

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